Blogs zu Gesundheit und Medizin

 

 

Vorhang auf für ein schwer überschaubares Thema:

 

Um die 200.000 aktive deutschsprachige Blogs soll es geben, schätzen Experten aus der Blogosphäre. Gleichzeitig räumen sie ein, dass diese Schätzung hinkt. Denn unklar ist, ob man beispielsweise auch Facebook-Einträge oder Fotos auf Instagram noch als Blog werten kann oder ob man sich von vornherein auf einschlägige Anbieter wie Wordpress beschränkt.

Und: Ab wie vielen Einträgen pro Monat gilt ein Blog als aktiv?

 

Über Jahre hat die Neue Mediengesellschaft Ulm, Heimat von Fachmedien wie „Internet World Business“, Preise für Internetprojekte vergeben. Ihre Auszeichnung „OnlineStar“ wurde für Websites, Corporate und Private Blogs verliehen, die von den Lesern selbst nominiert worden sind. Ziel war, Beliebtheit und Qualität sichtbar zu machen. Mittlerweile ist dieser Wettbewerb aufgrund abnehmender Vorschläge eingestellt, 2016 lief die letzte Runde.

 

Wie also kann man mehr Klarheit über Blogs und die Chancen und Risiken, die damit verbunden sind, gewinnen?

 

Kategorien für einen besseren Zugang

 

Der Begriff Blog, kreiert aus dem englischen „Web“ und „Log“, also Logbuch, beschreibt Journale im Internet unterschiedlichster Art.

Topthemen von Blogs hierzulande sind Mode und Styling, Fitness, Reise, Bücher, Foto, Familie etc.

Um ein Gefühl für die Besonderheit von Blogs zu entwickeln, habe ich den Fokus auf die besondere Beziehung ‚Sender‘ – ‚Empfänger‘ gerichtet und vier Kategorien entworfen:

  • Blogs der klassischen Medien,

  • Corporate Blogs,

  • Blogs von Betroffenen und

  • Blogs von Anwendern.

‚Betroffene‘ und ‚Anwender‘ deshalb, weil ich mich gemäß Headline auf die Bereiche Gesundheit und Medizin beschränke. Dabei sind die Themen Diät, Fitness und Nahrungszusatzmittel ausgeklammert. Sie würden die anderen Themen dominieren und den Blick einengen.

Um diese vier Kategorien mit Beispielen zu veranschaulichen, habe ich neben meinen Daten ergänzend Blogs aus den Verzeichnissen von Bloggerei, Bloggeramt und TopBlogs gesichtet.

 

I. Blogs der klassischen Medien

 

Die klassischen Medien erkennen im Prinzip die Bedeutung von Bloggern an, wie eigentlich jeden, der sich kundig zu einem Sachverhalt äußert. Zuweilen betreiben sie eigene Blogs, um die Beziehung zu ihren Lesern zu vertiefen oder die Entwicklung von Themen aufzuzeigen. Manche integrieren Blogger quasi als Kolumnisten wie zum Beispiel das Magazin „Freundin“, das eine niedergelassene Gynäkologin als Expertin aufgenommen hat.

 

II. Corporate Blogs von Industrie und Handel

 

In der Industrie nutzt man Blogs, um mit seinen Anwendern, beispielsweise von Medizintechnik, auch auf diese Weise in Kontakt zu bleiben und ergänzenden Informationsservice zu bieten. Das können Tipps aus der Dentalindustrie rund um Aufgaben in der Zahnarztpraxis sein.

‚Sender‘ kann auch eine Agentur sein, die den Blog als begleitendes Instrument zu einem Webshop betreibt. Beispiel ist hier der Blog www.doktor-haut.de, der sich zum Thema Hautprobleme an eine vorwiegend jugendliche Zielgruppe richtet. Über Gutschein-Aktionen sind Ermäßigungen im Webshop möglich. Als Beratungsinstrument scheint der Blog zu gelingen, wie der Austausch von Lesern oder die sehr gute Bewertung im Blog-Verzeichnis TopBlogs zeigt.

 

Bevor ich zu den anderen zwei Kategorien, den Betroffenen und Anwendern, wechsle, hier noch ein paar Sätze zu Affiliate-Programmen, benannt nach dem englischen „affiliation“ für Angliederung.

So kann zum Beispiel ein Betroffener oder Angehöriger, der persönliche Erfahrungen mit, sagen wir, Rollatoren oder Nackenmassagegeräten hat, fundiert darüber schreiben und eigene Vergleichstests durchführen. Das kann so manchem Produktsuchenden lange Umwege ersparen; wenn dieser dann über den angebotenen Link ein insgesamt positiv besprochenes Gerät bestellt, verdient der Blogger im Rahmen eines Affiliate-Programmes meist eine Provision.

Darauf sollte transparent hingewiesen sein.

Andernfalls setzt man als Blogger das Vertrauen seiner Leser aufs Spiel.

Im Herstellerunternehmen sollte man vorab klären, welche Qualität von Empfehlungen man grundsätzlich haben möchte und auch die möglichen Folgen abwägen.

Das meines Erachtens wichtigste Merkmal von Bloggern, dann, wenn sie als Anwender von Medizintechnik oder als Betroffener von Erkrankungen und Symptomen selbst zu einem Thema publizieren, ist die gemeinsame Interessenlage und die daraus folgende Nähe zu ihren Lesern.

Dabei ist der Blog umso spannender für seine Leserschaft, je wacher und differenzierter der Blick auf die persönliche Erfahrung und das Thema ist.

Damit zu den beiden weiteren Kategorien:

 

III. Blogs von Betroffenen

 

Betroffene von Erkrankungen bringen von Anfang an die härteste Währung mit sich: Glaubwürdigkeit. Wenn ein junger Erwachsener über sein Diabetes-Management bloggt, können junge Leser vermutlich manches leichter annehmen als vom doppelt so alten Diätassistenten.

Dieselbe Nähe entsteht auch bei Themen, zu denen man sich ungern äußert:

Auf www.blaehbauch-was-tun.de zum Beispiel legt die Autorin auf einer langen, mobiltauglichen Seite dar, wie diese Beschwerden bei ihr entstanden sind und wie sie sie überwunden hat.

Oder auf www.feuer-im-darm.de: Hier bespricht der Autor Forschungsergebnisse und Ratgeberliteratur und knöpft sich kritisch die Paleo-Diät vor.

Diese Beispiele werfen die Frage auf, wie anonym man als Blogger im Netz bleiben möchte und wie man den Grad seiner Öffentlichkeit auf dem Blog erklärt. Das betrifft besonders den Umstand, wenn mit dem Blog Einnahmen verbunden sind.

 

IV. Blogs von Anwendern

 

Wie bei Betroffenen bringt man auch Anwendern in der Medizin große Glaubwürdigkeit entgegen. So tauschen sich zum Beispiel auf dem Blog mit dem sinnigen Namen Wurzelspitze Endodontologen zu Fällen, Instrumenten etc. aus, nicht ohne jeweils am Ende Interessenskonflikte explizit auszuklammern. Anders als Redakteure in der Fachpresse müssen sie sich nicht um aktuelle News kümmern, sondern können persönliche Schwerpunkte setzen und beispielsweise in der Kategorie „Was schon die Alten wussten“ in der Fachliteratur vergangener Jahrzehnte schwelgen.

 

Blogs aus den Bereichen Gesundheit und Medizin also sind vielfältig, sehr individuell und oft mit eher kleiner Leserschaft, worauf Zahlen in den Verzeichnissen hindeuten.

Zum Teil erkennt man Phasen, in denen am Thema oder der eigenen Rolle gefeilt wird, um unerwünschte Entwicklungen zu stoppen und den Blog lebendig zu erhalten.